Von der Schwierigkeit, nein zu sagen

Ich muss an dieser Stelle zuallererst einmal bei meinen Eltern abbitte leisten. Ich weiß, ich war früher ein Kind, das nie zufrieden war mit Ausnahmen oder Zugeständnisse oder Ähnlichem. Ich wollte immer mehr. Nach den sieben Monaten in meiner Arbeitsstelle weiß ich jetzt, wie anstrengend es ist, um jedes nein zu diskutieren.
Dieses Phänomen steht stellvertretend für eine Reihe an Problemen in meiner Arbeitsstelle. Die Kinder dort lernen eine ganze Menge nicht. Um auf das Eingangsbeispiel zurückzukommen, die meisten der Hausregeln werden keinesfalls konsequent durchgesetzt, was wiederum zur Folge hat, das Regeln und Verbote von den Kindern gebrochen werden. Das führt natürlich dazu, dass es umso schwieriger wird, irgendetwas durchzusetzen. Keines dieser Kinder lernt so, dass es manche Regeln gibt, die man einfach nicht brechen oder sich zurechtjammern kann, wie zum Beispiel Gesetzte.
Auch fehlt es den Kindern an gelungenen Vorbildern für Empathie. Es gibt eine feste Rangfolge unter den Kindern, die schamlos ausgenutzt wird. Die Betreuer schreiten nicht ein, sondern fördern das Ganze meiner Ansicht nach durch eine Ungleichbehandlung. Zum Beispiel kommt es regelmäßig vor, dass eines der Kinder für das Unterbrechen der Betreuerin angeschrien wird, ein anderes zwei Minuten später aber nicht. Wie sollen diese Kinder mal erfolgreich einen Beruf ausüben und eine Familie gründen, wenn sie nicht lernen, wie essenziell Rücksichtnahme ist und das man mit vollkommenem Egoismus nicht weit kommt?
Das waren jetzt nur zwei Beispiele. Ich gebe zu, dass ich mich hier auch des Öfteren an die eigene Nase gepackt habe und viel über mein eigenes Verhalten nachgedacht habe. Also Danke an meine Eltern, Verwandte, Lehrer und Weggefährten, die mich so erzogen haben, dass ich das Können zur Selbstreflexion erlernt habe. So bricht es nun mein Herz, dass das diesen Kindern nicht mitgegeben wird.

Veröffentlicht von debbibebbi03

18 Jahre, links-grün versiffte Feministin, ab September ein Jahr in Sofia, Bulgarien

Ein Kommentar zu “Von der Schwierigkeit, nein zu sagen

  1. Liebe Debora, deinen Blog habe ich gelesen und finde es bemerkenswert, dass du Erfahrungen machst, die auch ich in Rumänien beobachten konnte. Es gibt da Parallelen. Wir werden das im Gespräch analysieren, wenn wir in Sofia zusammen sind. Noch liegt mir etwas am ❤ . Für deinen frischen Geburtstagsgruß aus den Bergen am 13. Mai danke ich dir sehr. Er hat mich sehr berührt, gefreut und du warst eingereiht in den Stom der Gratulanten. Es waren 2 wunderschöne Tage, mit liebenswerten Momenten. Dir alles Liebe und Gute, mit ❤ lichen Grüßen von deiner Oma

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