Was ich an Bulgarien schätze

Nach immerhin fünf Monaten hier denke ich es ist an der Zeit, mal ein paar Dinge zu teilen, die ich an dem Leben hier schätze, aber nicht unbedingt in einem Reiseführer auftauchen.

Erstens: die Busfahrer. Klingt etwas ungewöhnlich, aber es ist hier üblich, dass, wenn man in einen Bus einsteigt, der Busfahrer so lange wartet, bis man auf einem Platz sitzt. Ich empfinde das als sehr höflich und es kostet ja auch nur ein paar Sekunden.

Zweitens: die Nettigkeit. Diese Tatsache ist mir mit als erstes aufgefallen. Diese Nettigkeit fängt beim Türaufhalten an, geht aber weit darüber hinaus. Die Menschen hier sind, wie ich es erlebt habe, immer bemüht zu helfen und Dinge einfacher zu machen.

Drittens: die Zebrastreifen. Ganz ehrlich, der Verkehr hier ist verrückt, ständig wird gehupt und niemand fährt innerhalb seines Fahrstreifens. Ich bin wirklich froh, hier kein Auto zu fahren. Das einzig positive ist, dass sämtliche Autofahrer konsequent an Zebrastreifen halten, und davon gibt es hier wirklich viele. In der ganzen Zeit, in der ich hier bin, wurde mir am Zebrastreifen genau einmal der Vorrang genommen. Das weiß ich deshalb so genau, weil ich mich damals sehr erschrocken habe.

Viertens: das Nicht-Wegwerfen. Ja, man könnte auch sagen, dass die Leute hier sich einfach nichts neues leisten können, aber wer weiß? Ich habe es hier jedenfalls häufiger erlebt, dass Geräte, deren Makel ein altes Aussehen und Abnutzung waren, weitergenutzt wurden. Die meisten Leute, auch ich, hätten diese Dinge wohl ersetzt.

Fünftens: das Essen. Es ist vielleicht nicht alles mein Geschmack, zum Beispiel finde ich, dass viel zu viel Fett verwendet wird, aber es gibt definitiv einige Rezepte die ich mir merken werde. Zum Beispiel Tarator, eine kalte Suppe mit Gurke, Kiflichki, ein Hefegebäck, sowie Baniza, eine Art Blätterteiggebäck meistens gefüllt mit Käse.

Sechstens: die Coronaimpfung. Das kommt vielleicht etwas überraschend, aber ich finde es einfach sehr angenehm, dass die Leute hier sich über dieses Thema nicht so zerstreiten. Ich meine, ich bin absolut fürs Impfen und es gibt meiner Meinung nach kein rationales Argument, dass dagegen spricht, aber muss man sich darüber so zerstreiten, wie es in Deutschland gerade passiert? Ungeimpfte Menschen sind nicht unsere Feinde, auch wenn es vielleicht manchmal so anfühlt. Aber so hat mir das Leben hier gezeigt, dass ich meine ungeimpfte Kollegin fragen kann, wie es ihr nach überstandener Coronainfektion geht, genau so wie sie mich ein paar Wochen zuvor gefragt hat, wie ich meine Boosterimpfung vertagen habe, und wir dann einfach weitermachen wie zuvor.

Was mir vor allem beim schreiben dieses Artikels aufgefallen ist, dass ich all diese Dinge nicht erwartet habe, sondern ich musste herkommen und sie erleben. Kein Buch und keine Doku kann dir soetwas vermitteln. Ich habe hier schon jetzt viel gelernt, und ich bekomme Einblick in „nur“ eine andere Kultur. Wie viele Kulturen und Völker und was für eine große Vielfalt es in unserer Welt gibt. Warum verbringen wir also so viel Zeit damit, uns zu hassen, als Gefahr zu betrachten und unseren Planeten kaputt zu machen?

Veröffentlicht von debbibebbi03

18 Jahre, links-grün versiffte Feministin, ab September ein Jahr in Sofia, Bulgarien

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