София

Auf dem Weg vom Flughafen zum Sozialzentrum sind wir, laut unserem Betreuer, durch einen der ärmeren Teile von Sofia gefahren. „Gut so, dann kommt ihr gleich in der Realität an.“ meinte er zu uns. Die Fahrt damals hat mich weniger geschockt. Manche Häuser sind nicht verputzt, bei anderen wiederum Risse im Putz nicht geflickt worden, aber all das waren Dinge, die ich auch im Kosovo gesehen hatte. Wirklich tief getroffen hat mich unser Besuch in einem der Gettos mit der Chefin des mobilen Teams. In diesem wohnen circa 300 Menschen aus 20 Familien, davon sehr viele Kinder. Die sehr fröhlich und offen wirkten. Die Armut dort hat mich geschockt.

Besonders nachdenklich gemacht hat mich eine junge Frau, die nicht viel älter als ich sein konnte. Sie hielt ein etwa zweijähriges Kind an der Hand und war wieder schwanger. Mir ist sehr bewusst geworden, wie viel Glück ich habe, in einem Land wie Deutschland in einer mittelständigen Familie geboren worden zu sein. Mir stehen in der Welt alle Möglichkeiten offen, ich kann studieren was ich will und Bundeskanzlerin, Chemikerin, Müllfrau oder Kassierein werden; ich kann selbst entscheiden, wann ich Mutter werden möchte. Ich durfte 12 Jahre zur Schule gehen. Meine Leben besteht aus Wahlmöglichkeiten. Das Leben dieser jungen Frau nicht.
Da hier noch Sommerferien sind, waren wir direkt von einer Traube Kinder umringt, die versucht haben, mit meinen Mitfreiwilligen oder mir zu sprechen. Da unser Bulgarisch noch in den Kinderschuhen steckt, war Kommunikation zumindest über Sprache nicht möglich. Aber Maxi konnte trotzdem ein Liegestützenduell mit einem Jungen veranstalten. Und wenig später entdeckten wir, dass wir die selben Klatschspiele kennen. „Bei Müllers hats gebrannt“ geht einfach immer.

Veröffentlicht von debbibebbi03

18 Jahre, links-grün versiffte Feministin, ab September ein Jahr in Sofia, Bulgarien

Ein Kommentar zu “София

  1. Liebe Debora, dein Beitrag bringt mich in meine Zeit in Rumänien zurück. Ihr seid mitten drin.Gut, dass ihr/du ein Weg der Kommunikation gefunden habt. Ob Liegestützen — Klatschspiele — Komm mit — Lauf weg — Laurentia — Seil springen — Abwerfen –etc. und viele Mehr
    Versprühe Lebensfreude und teile emotionale Beschäftigungen mit den Menschen vor Ort.
    Ich wünsche euch Kraft, Zuversicht, Hohhnung und die Liebe zu den Kindern und Jugendlichen in der Wahlheimat.
    Deine Oma

    Gefällt 1 Person

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